Uferwechsel

Inspiration gab ein realer Fall. Nämlich der tote Afrikaner, der im Zürcher Oberland aus einem Flugzeugfahrwerk fiel. Im dritten Krimi mit dem Privatermittler Vijay Kumar geht es um den Tod eines jungen Mannes aus dem arabischen Raum. Kumar ist dabei, als die Leiche gefunden wird. Trotz der Ansicht des zuständigen Staatsanwalts - der Tote sei vom Himmel gefallen - merkt der Ermittler bald, dass es sich nicht um einen Flüchtling handeln kann. Kumar legt sich mit dem ziemlich unsympathischen Staatsanwalt an, lange ist unklar wieweit der selbst in die Sache verwickelt ist. Ein vorerst mysteriöser Anrufer teilt Kumars Meinung, dass es sich um Mord und nicht um einen Unfall handeln muss und erteilt ihm den Auftrag zur Recherche. Diese führt ihn ins Langstrassenmilieu und in eine religiöse Sekte, die versucht, Schwule umzupolen. Um Informationen zu erhalten, steigt er in ein schrilles Outfit und sucht einschlägige Clubs auf. Dabei gerät er mehr als einmal in Gefahr, scheut sich aber auch nicht, etwas neben der Legalität zu ermitteln. Freunde helfen ihm tatkräftig dabei. Der indischstämmige Privatermittler Vijay Kumar ist eine einmalige Figur. Es ist aufregend, wie er vorgeht und in was für Schwierigkeiten er dabei gerät. Die Grausamkeiten, denen er täglich begegnet, kann er oft nur mit Amrut aushalten – dem indischen Whisky – der Bitteres betäubt. Aus dem privaten Umfeld von Kumar wird einiges bekannt. Seine Mutter führt erfolgreich einen Laden mit indischen Produkten, Fastfood inklusive. Derweil der Vater immer tiefer in eine Depression versinkt. Er trägt schwer an seiner Situation als älter werdender Migrant, der glaubt, sein Leben vertan zu haben. Ob ihm der längere Aufenthalt in der Heimat helfen wird? Der Autor Sunil Mann rollt offen, aber behutsam viele aktuelle soziale Probleme auf. Es gelingt ihm nicht nur witzig und unterhaltsam zu sein, sondern gleichzeitig ernsthaft Einblick in schwierige Situationen zu geben, vorab ins eher unbekannte Milieu der männlichen Prostitution. Die Realität von Menschen am Rande der Gesellschaft den Lesenden dermassen spannend nahe zu bringen ist ein wahres Kunstwerk.

Sunil Mann, Uferwechsel, Graffit Verlag ZĂĽrich, 2012, 312 Seiten

6. November 2012
Marianne de Mestral

Buchtitel: 
Uferwechsel
AutorIn: 
Mann, Sunil
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